Bienen sind unsere wichtigsten Bestäuber

Knapp 80 % unsere wichtigsten Kulturpflanzen sind auf tierische Bestäuber angewiesen. Die mit Abstand wichtigste Gruppe stellen hier unsere Bienen dar. Aufgrund ihrer vegetarischen Lebensweise sind Bienen zur Versorgung ihrer Nachkommen auf Pflanzenpollen angewiesen und sichern im Zuge ihrer Sammeltätigkeiten die Bestäubung. Meist sammeln sie dabei gleichzeitig Pollen und Nektar, was sie zu besonders fleissigen Bestäubern macht. Manche Wildbienenarten besuchen zur Versorgung einer einzigen Brutzelle über 1000 Blüten! Die Nektaraufnahme liefert dazu die nötige Energie.

Der Pollen wird auf unterschiedliche Weisen transportiert: an den Beinen (z.B. Hummeln, Sand- und Furchenbienen, Honigbiene), mithilfe einer Haarbürste an der Unterseite des Hinterleibs (z.B. Mauer-, Blattschneider-, Woll- und Harzbienen) oder im Kropf (z.B. Maskenbienen). Mindestens 50 heimische Bienenarten sind Pollenspezialist:innen (oligolektische Arten): ihr Nachwuchs ist auf sehr spezifischen Pollen angewiesen, um sich richtig entwickeln zu können. Fehlt dieser Pollen, gibt es keine nächste Generation. Die Spezialisierung bezieht sich meist auf einzelne Pflanzenfamilien, kann aber auch nur wenige Gattungen oder sogar Arten umfassen. 

Für die lokale Wildbienenfauna sind besonders folgenden Pflanzenfamilien wichtig: Korbblütler (Asteraceae), Schmetterlingsblütler (Fabaceae), Glockenblumengewächse (Campanulaceae) und Weiden (Salicaceae). Weitere Trachtpflanzen für oligolektische Arten sind Kardengewächse (Dipsacoideae), Weiderichgewächse (Lythraceae), Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae), Primelgewächse (Primulaceae), Doldenblütler (Apiaceae), Heidegewächse (Ericaceae), Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae), Liliengewächse (Liliaceae), Resedagewächse (Resedaceae), Borretschgewächse (Boraginaceae) und Kreuzblütler (Brassicaceae).

Eine weitere Besonderheit lässt sich bei Schenkelbienen (Macropis) beobachten: die beiden heimischen Arten leben solitär im Boden und sind streng oligolektisch auf Gilbweiderich (Lysimachia) spezialisiert. Die Weibchen sammeln mithilfe von Haarpolstern an den Beinen Öl, welches sie dem Pollenproviant beimischen und zur Auskleidung der Brutzellen verwenden. Da Gilbweidericharten keinen Nektar ausscheiden, müssen Schenkelbienen diesen von anderen Pflanzen sammeln.