Lebensweise
Der Grossteil unserer Wildbienen lebt solitär
Fast 90 % unserer pollensammelnden Wildbienenarten lebt solitär (= allein), das heisst Brutzellen werden von einem einzelnen Weibchen, ohne Mithilfe von Artgenossen angelegt und die Brutversorgung allein bewerkstelligt. Die Männchen dienen lediglich der Begattung, beteiligen sich aber nicht an der Brutpflege. Eine Sonderform der solitären Lebensweise stellen Aggregationen (Brutkolonien) dar. Hier nisten mehrere solitäre Individuen aufgrund vorteilhafter Standortbedingungen auf engem Raum. Nutzen mehrere Weibchen einen gemeinsamen Nesteingang, legen aber jeweils ihre eigenen Brutzellen an, wird dies als kommunale Lebensweise bezeichnet.
Hummeln sowie einige Schmal- und Furchenbienen gründen einjährige Völker (primitiv eusozial) – ausgehend von einem einzigen begattetet Weibchen. Im Unterschied zu den mehrjährigen Völkern der Honigbiene (hoch eusozial) müssen diese aber keinen Winter überbrücken und legen deshalb auch keine grossen Honigreserven an. Rund 22 % unserer Bienenarten lebt parasitisch bei anderen Bienenarten (Kuckucksbienen). Hier müssen zwei Formen unterschieden werden: Sozialparasitismus und Brutparasitismus. Sozialparasiten kommen bei Hummeln vor (Kuckuckshummeln). Dabei dringt ein artfremdes Weibchen (Königin) in ein bereits bestehendes Nest der jeweiligen Wirtsart ein, tötet oder vertreibt die Wirtskönigin und übernimmt das Volk. Brutparasiten hingegen schmuggeln ihre Eier in die Brutzellen anderer Wildbienen ein. Die Kuckucksbiene ersetzt das Wirtsei mit ihrem eigenen. Parasitische Bienen sammeln selbst keinen Pollen und sind auf das Vorkommen der jeweiligen Wirtsarten angewiesen. Sie sind meist auf eine oder einige wenige Wirtsarten spezialisiert und tragen dazu bei, diese evolutionär fit zu halten.